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Schöpfer & Unternehmer: Rollenkonflikt im Solobusiness

Teil 3 von 3 – Welches Business ist für dich genug? Unternehmerrolle,  Wachstum und gesundes Business Design.

8. August 2026 | Cynthia Dauterstedt

Schöpfer und Unternehmer in Harmonie. Wachstum hat nicht nur mit “MEHR” zu tun, sondern mit der sehr individuellen Antwort nach dem “GENUG”.

In Teil 3 geht es darum, wie deine Lebensbedürfnisse und -umstände dein Business bestimmen sollten und wie du Unternehmerrolle und Geschäftsmodell dahingehend individuell gestalten darfst. Dieser letzte Teil der Serie zu den beiden Rollen “Schöpfer” und “Unternehmer” im Business betrachtet die sehr individuelle Frage, welches Business für dich eigentlich GENUG ist. Wachstum bedeutet nicht einfach nur “mehr”. Es geht darum, Druck von den Schultern zu nehmen, der entsteht, wenn wir versuchen, uns in fremde Geschäftsmodelle zu zwängen. Ein gutes Solo-Unternehmen braucht gewisse Rahmenparameter, um langfristig zu funktionieren, ja. Aber darüber hinaus sollten dein Leben und deine Persönlichkeit dein Geschäftsmodell bestimmen und damit auch deine individuelle Unternehmerrolle. 

Am Ende des Artikels findest du eine Reflexionsaufgabe für dein „Genug-Business“. 

Die anderen Teile findest du am Ende des Artikels verlinkt. 



Schöpfer und Unternehmer sind v.a. im Solobusiness zwei essentielle Rollen. Der Schöpfer ist verantwortlich für Kreativität, Ideen und Inspiration. Der Unternehmer setzt die Vision in die Realität um und führt das Business strategisch und funktional. Auch wenn beide Rollen notwendig sind, besteht im Solobusiness eine ständige Gratwanderung in uns selbst, wenn wir beide Rollen verkörpern müssen. Die dreiteilige Artikelserie soll die vielen Facetten und Ebenen der beiden Rollen beleuchten, die sich meist im Spannungsfeld oder Dilemma miteinander befinden, um eine Verortungs- und Handlungshilfe für das eigene Business zu geben. Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2, wenn du sie noch nicht gelesen hast. 

Nicht genug Unternehmer?

In  den ersten beiden Teilen haben wir die beiden Rollen “Schöpfer” und “Unternehmer” im Solo-Business betrachtet – ihre Aufgaben, ihren Konflikt, obwohl sie beide zwei Hälften eines Ganzen sind, wann es welche Rolle braucht. Es ging auch um eine versöhnliche Sicht auf die Unternehmerrolle, mit der sich viele Sinn-orientierte Selbständige noch immer schwer tun – dabei ist sie der sehr natürliche Teil in uns, der Probleme löst und für Essen auf dem Tisch sorgt, wenn wir uns auf ihren Kern fokussieren.

Im letzten Teil möchte ich ins Detail gehen, was es konkret bedeutet, in seinem Business den Unternehmer-Hut aufzusetzen und was das mit der Antwort auf die Frage zu tun hat, welches Business für dich GENUG ist.

Der Selbstvorwurf

Neben der Abwehr gegen die Unternehmerrolle (bewusst oder unbewusst), die ich in den ersten beiden Teilen erörtert habe,  höre ich sehr oft auch den Selbstvorwurf, “nicht genug Unternehmer zu sein” – meist dann, wenn das Konzept in ein neues Licht und Verständnis gerückt und die Notwendigkeit der Rolle auch erkannt ist – und die eigene Unternehmensführung dann kritisch betrachtet wird. 

Oft geht es dabei um den Mangel an langfristiger Planung, keine Vision für das Business zu haben, strategische Ziele nicht zu setzen (und zu identifizieren) usw. Stattdessen besteht der Business Alltag eher aus Tag-um-Tag-Abarbeiten, Reaktion und Improvisation. 

Aus meiner Erfahrung liegt das selten an “unternehmerischer Verantwortungslosigkeit”, sondern schlicht einem ungünstigen Set Up. Es fehlen grundlegende Systeme und Strukturen, die überhaupt den Freiraum geben, AM statt nur IM Business zu arbeiten, planen und Visionen haben zu können, weil tausend Bälle in der Luft gehalten werden müssen.

Die Selbstkritik hat aber auch oft  irgendetwas mit Geld zu tun, meist mit zu wenig – zu wenig Umsatz, zu wenig Finanzplanung, zu wenig Sicherheit, zu wenig Überschüsse … Business by Bankauszug statt Substanz zu erwirtschaften. Und auch hier hat es aus meiner Erfahrung selten mit Verantwortungslosigkeit als Schlendrian-Einstellung zu tun – sondern viel mehr mit schwierigen Branchen, krisenbehafteteten Zeiten (insbesondere die letzten Jahre seit 2020 waren ein Desaster für die meisten Selbständigen, dazu braucht man sich nur einmal im Netzwerk umzuhören oder sich die regelmäßigen Erhebungen des ifo-Instituts anzusehen) und oft schlicht auch Unkenntnis dessen, was es wirklich braucht für nachhaltiges Finanzmanagement.

 

Ein Beispiel: Umsatzziele

Frage ich nach konkreten Zahlen, fehlt eine Wunschvorstellung manchmal ganz, oder eine bestimmte Zahl an Zielumsatz und auch Gewinn ist mehr so ein Gefühl oder Erfahrungswert (“die letzten Jahre liefen zufriedenstellend, plus x wäre toll.”)

Sie denken, es muss diese und jene sein, weil sie sich an anderen messen, ohne deren individuelle Situation zu durchleuchten oder weil sie mal irgendwo gelesen haben, dass man Zahl x an Umsatz machen sollte. 

Wenn ich nachhake und ins Detail der Betriebsausgaben, der Lebenshaltung, des notwendigen Minimums und der Wunschvorstellungen für die Zukunft gehe, basiert eine exakte Zahl nur bei wenigen auf kürzlichen Berechnungen mit Zukunftsblick.

Was kostet dein (Wunsch-)Leben?

Ja, du brauchst einen bestimmten Gewinn und damit Umsatz, damit dein Business langfristig nicht nur dein Leben, sondern auch deine Altersvorsorge finanziert. Inklusive Ausfällen und Krisen.  Das hat aber sehr viel mit den eigenen Bedürfnissen und Lebensumständen zu tun und sollte sich an diesen ausrichten – die einen brauchen mehr, die anderen weniger.

Und ja, hier gibt es Ähnlichkeiten und Orientierungsmöglichkeiten je nach Branche und Lebensmittelpunkt, dennoch sollte sich das jeder individuell ausrechnen. Eine Familie ernähren zu müssen ist ein anderer Schnack als sich als Alleinlebende im Tiny House durchzubringen. Und Ambitionen und Wünsche sind auch so verschieden wie es Menschen sind. 

Ich finde es vollkommen legitim, wenn jemand ein sehr einfaches Leben leben will, das per se weniger finanziellen Aufwand bedeutet, und dafür einfach keine 100.000 Euro*  im Jahr braucht, selbst mit einer Altersvorsorge-Planung nicht. Hier kann man sich immer noch entscheiden, ob das Business dennoch genügend Überschuss abwerfen soll, dass man diesen für gute Zwecke einsetzt, reinvestiert, mehr Möglichkeiten haben will, finanziell schwachen Kunden helfen zu wollen usw. usf. Ebenso kann man sich entscheiden, dass man das Business Model auch entsprechend einfach gestaltet und es eben weniger Umsatz machen darf, als Kollegen das vielleicht in der Branche tun.

Und genau so legitim ist es, mehrere Millionen Umsatz machen zu wollen (ich wähle mal absichtlich zwei Extreme) – solange ich weiß, WOFÜR. 

* Setze hier jede x-beliebige Zahl ein, die für dein Verständnis und deine Verhältnisse “viel” bedeutet. Geld ist etwas sehr individuelles. Was IMMER gegeben sein sollte mit deinem Business, ist die gute Versorgung deiner selbst (inklusive Zukunftsperspektive, das schließt Ausfälle und Alter mit ein!) sowie deiner Familie / Gemeinschaft, wenn du für eine solche Sorge trägst. Aber welcher Betrag dafür notwendig ist, ist sehr individuell.

Geld ist ein Werkzeug

Solo-Unternehmer machen ihre Arbeitnatürlich auch aber  nicht primär für’s Geld, sondern aus Überzeugung, einem inneren Antrieb (siehe Schöpfer) heraus. Der kann mit Selbstverwirklichung, einem höheren Sinn oder dem Wunsch, Gutes zu tun, verbunden sein. Dennoch sollte oder besser: gerade deswegen muss das Business ihnen das Leben ermöglichen können, das sie führen wollen, es muss in der Lage sein, dass sie die ihnen wichtige Aufgabe, welche das auch immer sein soll, ausüben können. 

Wenn das 3 Millionen Umsatz pro Jahr braucht, ist das so. Keine Verurteilung, bitte! (Ich persönlich würde gerne mehr Wohlstand und finanzielle Freiheit in den Händen von verantwortungsvollen und das Wohl allen Lebens ehrenden Menschen mit moralischem Kompass sehen, als es derzeit in diesem System der Fall ist.)

Was ist in der Branche mit dem Business realistisch möglich?

Darüber hinaus muss auch eingeschätzt werden können, was mit dem eigenen Beruf und unter welchen Bedingungen der Branche oder aktuellen Lage eigentlich möglich ist.

Dann kann ich entscheiden, welches Business Model in der Lage sein wird, meinen Ziel-Umsatz und Gewinn zu erwirtschaften. Beides – Lebenswunsch (Schöpfer) und Business-Realität (Unternehmer) müssen auch hier immer wieder miteinander in Kommunikation gehen und das Ganze miteinander austarieren. 

Und wie in jeder Ehe gibt es manchmal auch einfach keine Win-Win Situation. Nicht alles ist möglich, auch wenn man uns versucht, etwas anderes einzureden.

Deine Aufgabe als Schöpfer im Solo-Unternehmen ist es, deine Lebens- und Business Vision aus deinem tiefsten Inneren heraus zu kreieren, in Einklang mit dir, deiner Persönlichkeit – denn dann entspricht sie dir auch wirklich und wahrhaftig, und basiert nicht auf irgendwelchen von außen auf dich projizierten Verlangen, die mehr mit der Gesellschaft und ihrem Konsumverhalten zu tun haben als innerem Glück. 

Deine Aufgabe als Unternehmer ist es, dein Business Model in den Realitäten, die am Markt herrschen, so auszurichten, dass es die Vision verwirklichen kann – und die unter Umständen schmerzhafte Wahrheit zu akzeptieren, wenn bestimmte Dinge damit einfach nicht gehen. Du kannst anpassen, du kannst umbauen, verbessern, vereinfachen. Aber du musst auch erkennen können (vielleicht auch mit einem geeigneten Partner und Spiegel an deiner Seite), wenn du an Grenzen des Machbaren stößt. 

Wachstum ist nicht einfach nur “mehr”

Wer nicht genau weiß, was er eigentlich finanziell braucht und langfristig erreichen will, kann auch sein Business Modell, was dazu gebaut sein muss, dies zu erreichen, nicht entsprechend entwerfen. Oder einschätzen, ob das angedachte Modell das leisten kann oder ein anderes her muss / das bestehende modifiziert werden muss, Vision und Realität in Einklang gebracht werden müssen.

Ohne diese Kenntnis bleibt oft nur die Orientierung an anderen – und wenn man sich umschaut am Business-Aufbau Markt, wird in diesem Punkt “Wachstum” vor allem sehr pauschal über Business Blaupausen gesprochen, die mit Skalierung zu tun haben. Mehr Umsatz, mehr Wachstum, mehr Kunden, mehr Gewinn. 

So entsteht ein verzerrter Blick auf das eigene Business, das vielleicht gar nicht geeignet ist für die angepriesenen Business Modelle. Nicht jede Blaupause passt für jeden, es gibt keine Pauschal-Lösungen, ggf. für einzelne Systeme, ja, aber nicht für das generelle Geschäftsmodell. Erst Recht nicht im Solo-Unternehmen, das so eng mit dem Inhaber verbunden ist. 

Darüber hinaus ist Skalierung auch nicht immer angebracht oder die finale Lösung für Wachstum. Sie kann Sinn machen – ab Business Phase 3, vorher sowieso nicht, sonst skalierst du jeden Fehler mit – und für viele Solo-Unternehmer braucht es eher einen besseren Hebel für die eigene Leistung als Skalierung. 

Was bedeutet Wachstum wirklich?

Wachstum bedeutet nicht nur “mehr” – mehr Kunden (wofür Skalierung irgendwann notwendig wird), mehr Umsatz, mehr Gewinn. 

Aus meiner Sicht fehlt hier auch wieder eine gewisse Balance aus Vision / Realität, intrinsischer Motivation / nach Außen gewandter Aktion. Es ist zu einseitig auf äußerliche Aktivität gerichtet, dem die innere Grundlage fehlt. Und damit fehlt die Harmonie – aus Schöpfer / Unternehmer, Innen / Außen , Yin / Yang, männliche/weibliche Energie. 

Es fehlt die Ganzheitlichkeit. 

Wachstum hat aus meiner Sicht vor allem mit Langfristigkeit und Nachhaltigkeit zu tun. Damit, wie gut ein Solobusiness mit dem Inhaber, seiner Persönlichkeit, seinem Expertenstatus und seiner Lebensphase mitWACHSEN kann. 

Dabei geht es nicht nur um Umsatzwachstum. Sondern auch Stabilität, Zuverlässigkeit, Planbarkeit. Ebenso um Freiräume, inhaltliche Erfüllung oder besser Zufriedenheit, Anpassung an den eigenen Energiehaushalt, der mit Mitte Fünfzig nun mal einfach ein anderer ist als mit Anfang Zwanzig. Es geht aus meiner Sicht um Einklang aus Leben und Business, um Integration der beiden.

Dafür muss ein Business wachsen – so, wie ein Baum wächst. Organisch, in dem Umfeld, in dem er gedeihen kann, im Wechselspiel mit diesem Umfeld. Umsatz ist nur ein Teil vom Ganzen. 

Die Frage nach dem für dich richtigen, stimmigen Umsatz und der Ausgestaltung eines Business Models, das diesen erwirtschaften kann, führt demnach zu der – ebenfalls sehr individuellen – Frage:

Welches Business ist GENUG für dich?

Es gibt keine Pauschal-Strategie für ein solches Business-Wachstum. Businesses wie unsere brauchen ein individuelles Business Model und die Erlaubnis, die Regeln zu brechen.

Die Frage nach dem GENUG bedeutet zu fragen

  • Wieviel Gewinn ist genug? 
  • Wie viele Angebote sind genug? 
  • Wie viele Stunden am Tag und Arbeitswochen im Jahr sind genug?
  • Wieviel Aufwand ist genug?
  • Wieviel Ehrgeiz ist genug?

Und das hat alles mit dir, deiner Persönlichkeit, deinem Leben, deinen Wünschen und Bedürfnissen sowie Verpflichtungen und Ambitionen zu tun. Schauen wir uns die Punkte einmal im Detail an.

Wieviel Gewinn ist genug?

Siehe die Passage oben. Der Frage nach dem Gewinn liegt die Frage zugrunde: „Welches Leben will ich führen? Was brauche ich dafür jetzt und in der Zukunft?”

Wie viele Kunden sind genug?

Dies hängt unmittelbar mit dem Umsatz, aber auch mit meinem Einsatz, meiner Zeit, meiner Energie zusammen. Ich zum Beispiel bin rein mental schon nicht in der Lage, mehr als 10 Kunden gleichzeitig in einer intensiven Einzelbegleitung zu haben, weil mir der gebotene Fokus auf den Einzelnen verloren geht. Andere haben ihre Grenze bei Gruppen-Workshops von maximal 15 Personen, weil sie sonst ihre Arbeit nicht in der gewünschten Qualität anbieten können. Energiegeber, -zehrer und -haushalt sind sehr individuell. 

Wie viele Angebote sind genug?

Ich tendiere zu Geschäftsmodellen, die sich auf ein einziges Angebot fokussieren und sämtliche Aktivitäten und Systeme auf dieses ausrichten. Das Business wird so sehr viel klarer, einfacher, effektiver – und bekommt damit mehr Hebel-Potential, ohne an Qualität einzubüßen. Aber das passt a) nicht auf jede Zielgruppe und Branche, und ist auch b) nicht etwas für jeden Solopreneur. Du musst dir nur bewusst sein, dass “mehr Angebote” auch immer “mehr Komplexität” bedeuten (neben einigen anderen “mehr’s” – es ist alles eine Frage von Entscheidungen und Konsequenzen, wofür übrigens der Unternehmer in dir zuständig ist).

Wie viele Stunden am Tag und Arbeitswochen im Jahr sind genug? 

Spätestens in Phase 3 unseres Business dürfen und sollten wir uns den “Luxus” von “mehr Leben” erlauben können, und die meisten etablierten Solo-Unternehmer wollen weniger, dafür effektiver und leichter arbeiten. Das Business Model ist das, was dir das ermöglicht. 

Wieviel Aufwand ist genug?

Wieviel Ehrgeiz ist genug?

Hier kommt der Schöpfer als korrigierende Stimme ins Spiel, wenn der innere Unternehmer sich zu sehr am Außen und äußeren Erfolgen orientiert (die auch oft andere definieren). Wann bist du zufrieden mit deinem Leben und deiner Arbeit? Wann bist du in Einklang mit dir selbst? Keine einfach zu beantwortende Frage, die aber auch wieder sehr viel mit der jeweiligen Lebensphase und unserer Persönlichkeit zu tun hat. 

Nur, weil deine Kollegen es so und so machen / vorleben, heißt das nicht, dass du es genauso machen musst. Du darfst ein anderes, dein Leben führen wollen, egal ob in die eine oder andere Richtung deines Branchendurchschnitts. 

Und aus all dem ergibt sich die wohl wichtigste und als allererstes individuell für dich zu beantwortende Frage: 

Wo bist du jetzt in deinem Leben?

Was ist jetzt wichtig für dich? Wer bist du jetzt als Person? Was brauchst du, welche Wünsche hast du heute für deine Zukunft?

All das wird sicherlich ein wenig oder auch ganz anders sein als das, was du vor 20 Jahren geantwortet hättest. Und darum kann es auch für dein Business keine pauschale Antwort geben, wie es jetzt zu sein hat– oder in der Vergangenheit hätte sein müssen. Die Art, wie du unter welchen Prämissen und mit welchen jeweiligen Zielen die Unternehmerrolle ausfüllst, wandelt sich und wächst im Laufe deiner Business-Führerschaft. 

Arche-typisch für den Unternehmer ist die Verantwortung – für dich, dein Business, für die, auf die du einwirkst damit (Kunden, Partner usw.). Für Ethik und Integrität in deinem Business. Für Ehrlichkeit und Wahrheit dir selbst und anderen gegenüber. Für den Mut zu unangenehmen Entscheidungen. All das ist aus meiner Sicht generell notwendig für eine gute Unternehmerrolle. 

Ja, du solltest so viel Unternehmer-Hut aufhaben, dass du deine Zahlen kennst, und dass du dein Business strukturell und strategisch ausrichtest, damit du damit dein Leben langfristig finanzieren und deine Arbeit gut machen kannst – Schritt für Schritt. Einen Tag nach dem anderen (was bleibt uns sonst ;)). Und dass du dir Hilfe holst, wo du selbst nicht weiterkommst. Wir Menschen sind wesentlich besser in Gemeinschaft, auch wenn sie noch so klein ist. 

Die Ausgestaltung der Ziele und dein Weg dahin hängt aber dabei sehr von deinen individuellen Umständen ab. 

Natürlich heißt genug auch Fülle

Ein Business zu bauen, das sich für dich nach GENUG anfühlt,  bedeutet unbedingt auch Fülle und Erfüllung – bewusst gestaltet und aufgebaut.

Finanzielle Fülle und Erfüllung in puncto Gewinn und Lebensunterhalt. Du solltest mit deinem Business in der Lage sein, gut für dich und deine Familie zu sorgen.

Aber auch Fülle in Sachen Nachhaltigkeit – deine Ressourcen schonend, gut eingesetzt, so dass du auch in 20 Jahren noch genügend hast. Deine individuelle Energie honorierend, was du wann für wen und mit wem zu leisten imstande bist, ohne ständig deine Grenzen zu überschreiten.

Was wir im Business lernen und was auch ich jahrelang als Messung für meinen Erfolg angenommen habe, sind immer nur  externe Kennzahlen: Umsatz, Kundenzahlen, Wachstumsrate.

Wir tun gut daran, Erfolg besser daran zu messen, ob wir noch Energie für die Menschen haben, die wir lieben, ob unser Unternehmen unsere Gesundheit unterstützt, statt Raubbau an ihr zu betreiben, und ob wir es auch in zehn Jahren noch gerne führen würden.

Gesundes Business Wachstum heißt auch “WENIGER”

Eine derartige Betrachtung und Zielsetzung führt zwangsläufig irgendwann zu einem oder mehreren “Weniger von’s”. Nicht alle müssen relevant für dein Business Model sein, aber sie sind eine individuelle Betrachtung wert:

Weniger Kunden. 

Dafür passender, intensiver oder effektiver, länger, besser zugeschnitten – statt dem Versuch, zu viele Bedürfnisse zu bedienen, finanzielles Wachstum über Kundenanzahl zu erreichen und punktuellem Support, wenn deine Arbeit auch oder vor allem in Langfristigkeit fruchten kann.

Weniger Angebote. 

Es muss nicht immer “ein Angebot, eine Verkaufsstrategie, eine Marketingstrategie” sein, aber bei den Angeboten bedeutet aus meiner Erfahrung  (fast) immer “weniger ist mehr”. Es reduziert Komplexität im Business und Auswahl-Kater bei den Kunden. Wenn du wenige gut durchdachte und z.B. aufeinander aufbauende Angebote hast, fallen Entscheidungen leichter und dein Business wird wesentlich einfacher zu steuern und zu planen. 

Weniger Komplexität. 

Wenn du leichter und planbarer arbeiten willst, brauchst du für jedes Angebot gewisse Systeme und Strukturen dahinter. Fokus und Reduktion bedeuten immer weniger Zahnrädchen, die ineinander greifen und ein funktionierendes Ganzes bilden müssen. Weniger auf dem Schirm behalten und in Funktion halten zu müssen, schafft Raum.

Am Ende führen diese Überlegungen zu einer eindeutigen Konsequenz: einem einfacheren Unternehmen. 

Im Detail ist das eine andere Konversation, die mehr Tiefe braucht, als hier jetzt möglich ist, aber spätestens in Phase 3 deines Business kommst du um die Auseinandersetzung mit der Vereinfachung deines Solo-Unternehmens nicht drumrum. 

Welches Leben willst du führen?

Die Frage nach dem für dich richtigen Business Modell und deiner individuellen Unternehmerrolle führt also unweigerlich über die Frage, welches Leben du führen willst. 

Damit einher geht vielleicht auch eine Bestandsaufnahme, welche Anpassungen dein bisheriges Leben braucht, damit es diesem Wunsch näher kommt. Nicht immer sind das Business und der Umsatz die entscheidenden Stellschrauben. 

Braucht es Vereinfachung? Entrümpelung? Was ist wirklich essentiell für dich an materieller “Sicherheit” und Notwendigkeit? Was sorgt für innere Freiheit und Ruhe? Keine einfachen und teilweise sehr lebensphilosophischen und individuellen Fragen, aber als Solo-Unternehmer sollten wir sie uns dringend stellen. 

Von der Basis aus kannst du – wenn du dir den Unternehmerhut aufsetzt – konkrete Schritte einleiten, um dein Business damit in Einklang zu bringen und es in Sachen Geschäftsmodell dahingehend auszurichten.

Druck rausnehmen

Ich schließe mal den Kreis zu meiner Aussage am Anfang des Artikels: es geht auch darum, Druck von den Schultern zu nehmen, der entsteht, wenn wir versuchen, uns in fremde Geschäftsmodelle zu zwängen, die nicht passen.

Neben der Frage nach dem individuellen Genug bedeutet das auch

Langfristig zu denken

es dauert Jahre, ein solides Solo-Unternehmen aufzubauen. Egal, wo du jetzt stehst, du bist noch da mit deinem Business (zumindest hoffe ich das sehr, wenn du das liest). Fang jetzt an, das Notwendige zu tun und es wird sich entwickeln. Das Ziel ist Phase 3

Auch Rückschläge sind ok

– mal ganz ehrlich: the Struggle is real! Die Zeiten sind wirtschaftlich für die meisten Selbständigen, kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland ein Desaster – die Umfragen von Verbänden und Instituten bestätigen dies ebenso wie die vielen Geschäftsaufgaben oder zweite Teilzeitstandbeine in meinem Umfeld in den letzten Jahren. Manchmal geht es nur ums Überleben. Wenn wir wieder in ruhigerem Fahrwasser sind, können wir auc wieder Zukunftspläne angehen.

Aufgabe für Teil 3

Welches Business ist für dich genug? 

  • Was ist jetzt wichtig in deinem Leben? 
  • Was brauchst du an essentiellen Notwendigkeiten, auf die du nicht verzichten kannst?
  • Wieviel Gewinn und Umsatz musst du jetzt erwirtschaften, um den Laden am Laufen zu halten?
  • Welcher Arbeitsmodus ist verträglich mit deinen Energieressourcen? Wie kannst du gut da sein? Wieviel zeit kannst du realistisch in dein Business stecken, ab wann fängst du an, dich zu erschöpfen? (Wöchentliche Kundenarbeitsstunden, Verfügbarkeiten, Auszeiten, Intensität usw.)
  • Was bedeutet das für dein jetziges Business – was muss sich ändern, was bleiben, wie es ist, weil es gut ist?
  • Wie stellst du dir jetzt dein Leben in Zukunft vor? Was ist anders als heute?
  • Welche Veränderungen müsstest du dafür einleiten?
  • Wieviel Gewinn und Umsatz musst du in der Zukunft für diese Vision erwirtschaften?
  • Welche Anpassungen (in Integration deiner Lebensbedürfnisse) müsstest du in deinem Business vornehmen, damit das realisierbar wird?
  • Wo stehst du dabei für dich vor unlösbaren Aufgaben und Hindernissen? 
  • Wer kann dir dabei helfen aus deinem Umfeld?
  • Wo bist du bereit, in deinem Leben oder Business Abstriche zu machen, weil es dir am Ende mehr Raum und innere Ruhe beschert?

Bonus-Aufgabe für den Schöpfer 😉

Wenn dein Business ein Haus wäre – wie würde es in deiner Wunschversion aussehen?

Du kannst es zeichnen, malen, eine Collage bauen, es jemandem beschreiben.

Wo steht es? Wie groß ist es? Welcher Stil? Wer ist im Haus, wer davor? Wo bist du? Was machst du? 


Cynthia Dauterstedt
Business Coach + Mentorin

Hi, ich bin Kopf und Herz von diesem kleinen, feinen Ort im weltweiten Netz. Meine Arbeit ist für Solo-Unternehmer in Umbrüchen, Sinn- und Wachstumskrisen, wenn das Alte nicht mehr passt, das Neue aber noch nicht klar ist. Ich verbinde effektive Business Architektur, Nonsens-freie Strategien und praxiserprobte Prozesse mit einer Begleitung, die in den Rhythmen der Natur, deren menschlicher Ur-Weisheit und dem Weg der Seele verwurzelt ist. Mir hat vieles davon im Business-Kontext immer gefehlt, darum hat in meinem System das Essentielle Platz und Gleich-Berechtigung.

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